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Krisenfest

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Dichter Nebel hängt noch in den malerischen Weinbergen, als ich mein Auto an einem Sommermorgen 2023 durch das kurvige Ahrtal in Rheinland-Pfalz lenke. Auf der linken Straßenseite plätschert das Wasser die Ahr entlang. Ein schmaler Nebenfluss des Rheins, der sich durch das rings von Weinbergen eingebettete Tal schlängelt. Am rechten Straßenrand zieht ein baufälliges Haus an mir vorbei. Mein Blick bleibt an der Fassade haften, auf der sich eine braune Linie knapp unter den Fenstern des ersten Stockes waagerecht entlangzieht. So hoch hat die Ahr nach ergiebigem Starkregen vor knapp zwei Jahren in der Nacht auf den 15. Juli 2021 hier gestanden.

Nicht nur an diesem Haus hat die Flut eine katastrophale Spur der Zerstörung hinterlassen, sondern vielerorts an der Ahr. Das Wasser verschluckte Infrastrukturen, Häuser, Umwelt und zahlreiche Menschenleben  – und das, obwohl viele Menschen an der Ahr seit Jahren Vorsorge betreiben.

Nach Angaben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat ändert sich derzeit die Art, Häufigkeit und Intensität von Gefahren. Naturgefahren, kriegerische Handlungen, die Folgen des Klimawandels. Laut einer Umfrage des Sozialforschungsinstituts Forsa machen sich gegenwärtig mehr Menschen als noch vor fünf Jahren Gedanken darüber, welche Vorsorgemaßnahmen sie ergreifen können.

Doch was bringt eine persönliche Vorsorge und welche Maßnahmen kann jede und jeder Einzelne ergreifen, um krisenfest zu werden? Im Ahrtal und im Gespräch mit Fachleuten suche ich Antworten auf diese Fragen.

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Meine Fahrt durch das kurvige Ahrtal endet in Dernau, einem 1.800-Einwohner-Dorf, das unmittelbar an der Ahr liegt. Dort will mir Winzer Markus Bertram von seinen Vorsorgemaßnahmen, die er vor der Flutnacht ergriffen hat, erzählen.

Gemeinsam mit einem von seinen Brüdern führt er das Weingut Gebrüder Bertram dort schon in der fünften Generation.

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Auf dem Parkplatz vor dem Weinhaus der Familie Bertram, das unmittelbar an der Bundesstraße liegt, stelle ich mein Auto ab. Ums Weinhaus herum herrscht an diesem Morgen reger Betrieb. Auf der Bundesstraße rauscht ein Lastwagen nach dem nächsten vorbei. Zermürbender Baustellenlärm lässt meine Ohren klingeln. Unmittelbar vor dem Weinhaus auf der anderen Straßenseite werden die Bahnschienen erneuert.

Im Weinbüdchen, einem grauen Container, der vor dem Weinhaus steht, wartet Markus Bertram hinter der Theke auf mich. Seit knapp zwei Jahren verkauft er dort schon seinen Wein statt im dahinterliegenden Weinhaus. Der aufgeschlossene Winzer empfängt mich in Arbeitsmontur, denn auch zwei Jahre nach der Flut ist der Wiederaufbau auch bei Familie Bertram noch immer voll im Gange.

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Bevor mir Markus Bertram von seinen Vorsorgemaßnahmen erzählen will, folge ich dem Winzer durch den Ort, denn er will mir zuerst das Weingut zeigen. Dazu zählt neben dem Weinhaus auch eine Produktionsstätte, die neben seinem Wohnhaus ein paar Straßen weiter im Dorf liegt.

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Dass er seinen Wein einmal in einem Container verkaufen muss, damit hat er vor der Flut nicht gerechnet, sagt Markus Bertram. Der an der Ahr aufgewachsene Winzer kennt das Hochwasserrisiko. Erst im Juni 2016 musste er sein Weingut gegen ein Jahrhunderthochwasser verteidigen. Damals wurde am nächstgelegenen Pegel Altenahr nach Angaben des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz ein Höchstpegel von 3,71 Meter gemessen.

Überschwemmungen hat es an der Ahr schon immer gegeben. Als Grund nennt Markus Bertram zum einen die dichte Besiedlung am Flussbett, die die Flächen, wo das Wasser ablaufen könne, versiegle. Zum anderen spiele die geografische Lage eine große Rolle, denn die Steillagen der Weinberge würden in den Tälern wie ein Trichter zusammenlaufen.

Durch seinen Vater habe er deshalb schon früh gelernt, die Pegelstände der Ahr zu beobachten. Dass er einmal Zeuge einer Katastrophe wird, war für ihn vor der Flutnacht jedoch unvorstellbar, sagt Markus Bertram: „Das Ausmaß hätten wir nicht erahnen können.“

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„Man rechnet mit dem, was im Alltag schon einmal passiert ist. Die Risiken können sich allerdings verändern oder akkumulieren, womit die Menschen, die dort leben, nicht rechnen“, sagt Katastrophensoziologin Elke Geenen.

Über das Internet spreche ich mit der Katastrophenforscherin über die Relevanz der Risikoanalyse für die persönliche Vorsorge. Dazu sagt sie: Nur wer die Risiken kennt, kann sich gezielt vorbereiten und Vorsorgemaßnahmen ergreifen. Die Vorsorge trägt wiederum dazu bei, Risiken zu vermeiden oder zu verringern.

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Wie Elke Geenen erklärt, mangelt es auf regionaler und kommunaler Ebene sowie in der Bildung an Informationen über bestehende und zukünftige Risiken. Dies führe zum einen dazu, dass es vielen Menschen schwerfalle, Risiken wahrzunehmen und richtig einzuschätzen. Zum anderen würden Menschen dadurch ihr Verantwortungsgefühl und ihre Motivation für die eigene Vorsorge verlieren. 

Um Risiken einschätzen und daraus individuelle Vorsorgemaßnahmen ableiten zu können, müsse man nicht nur potenzielle Gefahren betrachten, sondern auch das Ausgesetztsein gegenüber einer Gefahr, die sogenannte Exposition. So ist das Risiko für Hochwasser in einer Flussregion zum Beispiel höher als in anderen Regionen, sagt Elke Geenen. „Zur Vorsorge gehört, dass man informiert ist, in welcher Risikozone man lebt.“

Ob eine Wohnlage in einer Risikozone für Hochwasser liegt, kann auf dem Portal der Hochwassergefahren- und Risikokarten der Bundesländer oder über die amtliche Wasserstands- und Hochwasser-Informations-App Meine Pegel überprüft werden.

Wie Elke Geenen sagt, muss man neben der Gefahr und der Exposition auch die individuelle Verwundbarkeit berücksichtigen. „Wenn ich schnell zu Fuß bin, kann ich mich im Ernstfall retten. Wenn ich zum Beispiel am Rollator laufe, wird die Sache ganz schwierig. 

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Über eine steile knarzende Holztreppe folge ich Markus Bertram auf den Dachboden über der Produktionsstätte. Dort präsentiert mir der Winzer seine Sammlung an Wasserpumpen. Diese hat er auch vor der Flutnacht vorgehalten, um das Wasser bei drohender Überschwemmung abpumpen zu können, sagt Markus Bertram.

Im Nebenraum zeigt mir der Winzer auch seine bevorrateten Sandsäcke. Diese kann er im Ernstfall vor Türen oder Fenstern platzieren, um das Wasser umzuleiten, erzählt er. Eine Hochwasserschutzversicherung habe er vor der Flutnacht nicht abgeschlossen gehabt. Bislang hätten die Vorsorgemaßnahmen immer ihren Zweck erfüllt.

So auch in der Flutnacht?

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Nicht nur für den Fall eines Hochwassers ist es laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sinnvoll, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, sondern auch für andere Gefahrenlagen wie zum Beispiel einem Stromausfall, Hausbrand oder Unwetter.

Das BBK hat den gesetzlichen Auftrag, die Bevölkerung im Verteidigungsfall zu schützen und für die Notfallvorsorge zu sensibilisieren. Im Ratgeber für Notfallvorsorge und das richtige Handeln in Notsituationen und auf seiner Webseite gibt das Amt Tipps und Empfehlungen zur Vorsorge.

Dazu zählen Getränke und Lebensmittel für zehn Tage, Hygieneartikeln und eine Hausapotheke, ein Notgepäck für eine Flucht oder Evakuierung und eine Dokumentenmappe mit Kopien von den wichtigsten Unterlagen. Zudem gehören Kenntnisse und Fähigkeiten, wie zum Beispiel Erste-Hilfe und der Schutz von Gebäuden zu den Vorsorgemaßnahmen.

Die Vorsorge umfasst somit alle vorbeugenden und vorbereitenden Maßnahmen, die auf den Eintritt einer Krise oder Katastrophe abzielen, jedoch vor dem Ernstfall ergriffen werden.


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Zurück im Büdchen erinnert sich Markus Bertram noch gut an die erste Unwetterwarnung, die er knapp eine Woche vor der Flutnacht über das Radio gehört hat. Sorgen hat er sich zunächst nicht gemacht, sagt der Winzer: „Da haben wir jetzt erst mal nicht so viel drauf gegeben, weil die Wetterdienste in den Jahren davor mit ihren Niederschlagsprognosen nicht immer das getroffen haben, was sie uns prognostiziert haben.“

Trotz anhaltender Unwetterwarnungen habe er am Montag vor der Flutkatastrophe noch im Garten hinter dem Weinhaus bei gutem Wetter bis in die Abendstunden seinen 40. Geburtstag gefeiert. Erst gegen Mitternacht habe es langsam zu tröpfeln begonnen, was sich später in einen ergiebigen Regen verwandelt hätte: „Da habe ich mir schon gedacht, wenn das jetzt so die nächsten zwei Tage durchregnet, dann bekommen wir doch noch ein Hochwasser zu sehen.“

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Bei einer Gefahrenlage, wie zum Beispiel einem Unwetter, wird eine Warnmeldung in Deutschland nicht nur über das Radio verbreitet, sondern über eine Vielzahl an Warnmitteln, dem sogenannten „Warnmittelmix“.

Zu den Warnmitteln zählen der Fernseher, das Radio, Online-Medien, Stadtinformationstafeln, Fahrgastinformationssysteme, Sirenen, Warn-Apps und der Cell Broadcast, ein Mobilfunkdienst, mit dem eine Warnmeldung direkt auf das Smartphone geschickt werden kann.

Die Warnung ist ein zentraler Bestandteil der privaten Vorsorge, heißt es auf meine Interviewanfrage schriftlich aus dem BBK. „Wer mit den Abläufen der Warnung und den verschiedenen Warnmitteln vertraut ist, kann im Ernstfall besser reagieren.“

Um die Bevölkerung für das Thema Warnung zu sensibilisieren und um die Warninfrastruktur zu testen, findet seit 2020 jährlich am zweiten Donnerstag im September der bundesweite Warntag, ein Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen statt. Wobei die Teilnahme für die Länder und Kommunen freiwillig ist.

Ab 11 Uhr wird an diesem Tag eine Probewarnung des Bundes verschickt. Parallel können teilnehmende Kommunen oder Landkreise eine Probewarnung über kommunale Warnmittel auslösen, wie zum Beispiel über die Sirenen.


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Vielerorts heult am bundesweiten Warntag allerdings keine Sirene, denn im Zuge der deutschen Einheit wurden viele der meist pilzförmigen Heulsusen aus Kostengründen abgebaut oder vom Bund an die Gemeinden und Kommunen übergeben. Neue Technologien wie das Internet oder die SMS und bestehende Warnmittel wie der Fernseher oder das Radio stellten die Sirenen und deren Bedeutung in den Schatten. Die Sirenen werden deshalb heute oft nur noch für die Alarmierung der Feuerwehr eingesetzt.

Die verheerenden Folgen der Flutkatastrophe sowie die ersten beiden Warntage hätten dem Bund allerdings gezeigt, dass die Bedeutung der Sirenen immer noch hoch sei, heißt es aus dem BBK. Insbesondere wegen des sogenannten „Weckeffektes“, durch den Personen auch im Schlaf gewarnt werden können.

Um langfristig wieder für ein flächendeckendes Sirenennetz zu sorgen, unterstützt der Bund die Länder und Kommunen derzeit bei der Anschaffung und Modernisierung von Sirenentechnik.

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Markus Bertram erinnert sich, dass der Regen den Dienstag über angehalten hat, sodass er nicht in die Weinberge fahren konnte. Dort habe er Vorkehrungen für die bevorstehende Weinernte treffen wollen.

Am Mittwoch, dem 14. Juli 2021, warnte der Deutsche Wetterdienst schon am Morgen vor extremem Unwetter" mit Dauer- und Starkregen in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Gemeinsam mit seinem Bruder hat er an diesem Morgen bereits am Frühstückstisch beschlossen, sich auf ein Hochwasser vorzubereiten, sagt Markus Bertram. Zunächst habe er die Autos mit wichtigen Dokumenten beladen und in die Weinberge gefahren. Technische Geräte habe er aus dem Keller geholt oder dort höher gestellt. Den Öltank festgebunden. Dann habe er die Pumpen und Sandsäcke vom Dachboden über der Produktionsstätte geholt.

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Gegen Nachmittag hat sich die Pegelprognose am Pegel Altenahr auf über fünf Meter erhöht, erzählt Markus Bertram. Ungläubig über die Prognose habe er sich daraufhin weitere Sandsäcke im Handel besorgt. 

„Dann haben sich so nach und nach oben am Dorf auf einem Lagerplatz alle getroffen. Die Feuerwehr, aber auch viele Bürger, die Vorsorge treffen wollten. Da haben wir noch knapp 200 Sandsäcke befüllt."

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Wehrführer Christian Schrading und seine Kamerad*innen von der Freiwilligen Feuerwehr in Dernau waren an diesem Nachmittag auch auf dem Lagerplatz im Einsatz, um die Bürger*innen vor Ort zu unterstützen.

Dies zählt eigentlich nicht zu den Aufgaben der Feuerwehr, sagt der Wehrführer, den ich in der Feuerwehrwache in Dernau treffe. Dort zeigt er mir die knapp 1.000 Sandsäcke, die in einem Regal hinter den Fahrzeugen immer zum Einsatz bereit liegen und die im Ernstfall an die Bürger*innen verteilt werden.

Auf die Frage, bei wem er die Verantwortung für die Vorsorge sehe, wird der Wehrführer deutlich: Bei jedem und jeder Einzelnen. Die Feuerwehr kümmere sich in erster Linie um das Schützen, Retten, Löschen und Bergen. „Viele Sachen müssen die Leute selber machen. Das heißt, dass man zum Beispiel eine kleine Pumpe hat oder Sandsäcke vorhält.“

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Zur Eigenvorsorge rät auch das BBK, denn wie es schriftlich aus dem Amt heißt: „Wer sich auf Krisen vorbereitet, fühlt sich Notlagen nicht ohnmächtig ausgesetzt und kann sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis die staatliche Hilfe eintrifft und Schäden mit Schutzmaßnahmen reduzieren. Insofern kommt der privaten Notfallvorsorge eine zentrale Bedeutung zu.“

Die Eigenvorsorge entlastet somit das staatliche Hilfeleistungssystem, denn bei großflächigen Schadenslagen können Einsatzkräfte nicht überall sofort oder gleichzeitig sein, heißt es weiter aus dem BBK. Dies trage wiederum zu einer resilienteren Gesellschaft bei: „Eigenvorsorge und Selbstschutz sind Grundsteine einer resilienten Gesellschaft. Ein System als Ganzes kann nur resilient sein, wenn auch seine einzelnen Bestandteile resilient sind.“

Laut dem Bundesamt ist Resilienz „die Fähigkeit eines Systems, Ereignissen zu widerstehen bzw. sich daran anzupassen und dabei seine Funktionsfähigkeit zu erhalten oder möglichst schnell wiederzuerlangen.“

„Wenn ich selbst vorsorge und dadurch resilienter bin, bleiben im Ernstfall Kapazitäten übrig, um die zu unterstützen, die nicht so resilient sind. Es gibt immer Menschen, die nicht so viel Geld haben, um materiell vorzusorgen, oder die sich nicht die beste Wohngegend aussuchen können.“ – Elke Geenen

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Grundsätzlich verfügt Deutschland über professionelle und verlässliche Strukturen in der Krisenbewältigung, heißt es aus dem BBK. In Krisen oder Katastrophen greife das staatliche System des Bevölkerungsschutzes. 

In Deutschland liegt der Bevölkerungsschutz nicht in einer Hand. Der Bund ist für den Zivilschutz und die Länder sowie die Kommunen sind für den Katastrophenschutz zuständig. Zum Zivilschutz zählt die Aufgabe, die Bevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren zu bewahren. Der Katastrophenschutz umfasst in Friedenszeiten alle Aufgaben zum Schutz vor großen Unglücken oder Katastrophen.

Während die Länder bei lokalen und regionalen Schadenslagen tätig werden, sind die Kommunen für Alltagereignisse, Rettungsdienste, technische Hilfe und für den Brandschutz zuständig. Bei lokalen Schadenslagen werden die Kommunen von haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften wie zum Beispiel vom Technischen Hilfswerk, vom Deutschen Roten Kreuz oder vom Deutschen Feuerwehrverband unterstützt. Laut BBK engagieren sich in Deutschland anderthalb Millionen Ehrenamtliche in Hilfsorganisationen. 

Trotz unterschiedlicher Zuständigkeiten bilden der Zivil- und der Katastrophenschutz das sogenannte „integrierte Hilfeleistungssystem.“ Das heißt, dass die Ressourcen des Zivilschutzes auch von den Ländern genutzt werden können. Ebenso stellen die Länder ihre Ressourcen im Verteidigungsfall bereit.

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Manche wollen sich jedoch nicht auf die staatliche Hilfe verlassen müssen. Einer von ihnen ist der 22-jährige Denys Avramenko aus Stuttgart. Er sorgt lieber selbst vor, sagt Denys Avramenko: „Du musst immer vorbereitet sein, allein klarzukommen. Der Staat wird dir natürlich helfen, aber nur bis zu einem gewissen Grad, bis die selbst nicht mehr können.“

Ich treffe Denys Avramenko im Wald, denn dort fühlt sich der Naturliebhaber am wohlsten. Von klein auf hegt er eine Faszination für die Natur, erzählt er. Durch einen Freund, mit dem er auch heute noch regelmäßig durch die Wälder ziehe, sei er 2018 auf das Thema Überleben in der Natur und Flucht gestoßen, womit er sich bis heute befasse. „Es kann alles passieren. Krieg, Unwetter, größere Stürme, Stromausfall oder Wasserverschmutzungen.“

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Für Denys Avramenko ist die Krisenvorsorge ein Hobby, das ihm im Ernstfall beim Überleben hilft. Es gibt ihm Sicherheit vorbereitet zu sein, sagt er. 

Als sogenannten „Prepper“ würde er sich deshalb aber nicht bezeichnen. Prepper sind für ihn Menschen, die sich besonders extrem auf alle möglichen Krisen oder Katastrophen vorbereiten. Er trainiere hingegen hauptsächlich für eine Flucht.


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Gegen 19 Uhr verstaute er die letzten Sandsäcke am Weinhaus, um den Schutz der Spundwände noch zusätzlich zu verstärken, erinnert sich Markus Bertram.

Während sein Bruder am Weinhaus verblieben sei, habe er am Wohnhaus und in der Produktionsstätte noch letzte Vorkehrungen getroffen: „Da hatten wir auch Pumpen, Aggregate und Sandsäcke aufgebaut.“


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Kurz zuvor, gegen 21 Uhr, habe auch sein Bruder das Weinhaus verlassen und sei zu ihm ans Wohnhaus geflüchtet. Am Weinhaus habe sich die Lage nach den Erzählungen seines Bruders noch dramatischer gestaltet. Das Wasser ist rasant gestiegen und hat den Keller innerhalb kürzester Zeit geflutet, erinnert sich Markus Bertram an die Erzählung.

Am Wohnhaus seien sie dann über den Hinterhof der Produktionsstätte in Richtung Weinberge geflüchtet. Einige Nachbarn haben da noch standhaft gegen das Wasser gekämpft, sagt Markus Bertram. „Richtig panisch oder hysterisch war keiner, aber alle waren kopflos.“

Mitgenommen habe er nichts, lediglich in T-Shirt und kurzer Hose habe er das Wohnhaus verlassen. Für den Winzer bis heute die richtige Entscheidung.



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Nicht nur ein Hochwasser, sondern auch ein Gasleck oder ein Hausbrand können dafür sorgen, dass Personen ihre Häuser verlassen müssen und Stunden oder gar Tage nicht zurückkehren können.

Für den Fall einer Flucht oder Evakuierung rät das BBK auf seiner Webseite ein Notgepäck mit den wichtigsten Gegenständen jederzeit griffbereit gepackt zu haben, um ein paar Tage außer Haus zurechtzukommen. Zu den Gegenständen zählt zum Beispiel Verpflegung, ein Schlafsack, Kleidung, Hygieneartikel oder Erste-Hilfe-Material.

Dabei gilt als oberste Regel: Ein Gepäck pro Familienmitglied und am besten einen Rucksack, um die Hände frei zu haben.

Zudem empfiehlt das Amt, sich eine Dokumentenmappe mit Kopien von den wichtigsten persönlichen Unterlagen wie zum Beispiel vom Personalausweis, Führerschein oder Mietvertrag ins Fluchtgepäck zu legen und sich vorab Treffpunkte, Erreichbarkeiten und Fluchtwege zu überlegen und innerhalb der Familie zu besprechen.

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An ihren Fluchtweg kann sich Diana Berzen aus dem knapp fünf Kilometer von Dernau entfernten Örtchen Mayschoß noch gut erinnern. Mit ihrem Hund Amie ist sie in der Flutnacht fast zwei Stunden über den Rotweinwanderweg, der über die Weinberge führt, von Mayschoß nach Dernau gelaufen, erzählt sie mir bei einem Treffen in Mayschoß.

Auf dem Rotweinwanderweg traf sie nur wenige Menschen, einige davon haben in ihren Autos geschlafen, erinnert sie sich. Was sich unten im Tal abspielte, habe sie in der Dunkelheit nicht erkennen, sondern nur hören können. Die Geräusche sind ihr bis heute im Gedächtnis geblieben: „Hängen geblieben ist das Geräusch von brechendem Holz und brechendem Gestein. Das war gefühlt viel lauter als das Wassergeräusch.“

Da das Haus ihrer Eltern in Dernau etwas höher liegt, habe sie gehofft, es bleibe vom Wasser verschont. Ihr Lebenspartner und dessen Kinder seien bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz gewesen, als das Wasser auch in Mayschoß ungeahnte Dimensionen angenommen und sich einen Weg zum Haus ihres Lebenspartners gebahnt habe.

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Vor ihrer Flucht versuchte sie noch das Haus ihres Lebenspartners vor einer Überschwemmung zu schützen, erzählt Diana Berzen. „Ich habe den Biertisch und die Bierbänke vor die Garage und die Haustüre gestellt und das dann mit Sandsäcken fixiert. Das war vertane Liebesmüh.“

Als das Wasser immer weiter gestiegen sei, habe sie gegen 23 Uhr völlig unbedarft beschlossen, nach Dernau zu laufen. Lediglich eine Taschenlampe, eine Flasche Wasser, ihre Handtasche und zwei Dosen Hundefutter habe sie sich noch geschnappt, bevor sie das Haus den Wassermassen überlassen habe. Sie habe gedacht, sie kehre noch in der Nacht oder spätestes am Morgen zurück.

Doch konnte sie das auch?

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Im Falle einer Flucht bei einem zivilen Angriff, einem länger andauernden Stromausfall oder einer Seuche, würde sich Denys Avramenko in die Wälder retten. Der Wald ist sein sogenannter  „S. O.“, wie es unter Preppern heißt, ein sicherer Ort, erklärt Avramenko.

Im Vergleich zur Stadt biete der Wald den Vorteil, dass es keine großen Menschenmassen gebe, gegen die er sich möglicherweise verteidigen müsse.

Um sich im Ernstfall jedoch auch abwehren zu können, trainiere er auch Kampfsport und rät: „Jeder Mensch sollte sich wehren können. Wenn etwas passiert, realisieren das die Menschen noch nicht und haben zum Beispiel einige Vorräte. Wenn dann aber Wochen vergehen und es kommt keine Hilfe, dann werden andere Menschen das größte Problem von dir sein.“

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Für Denys Avramenko ist der Wald sein sicherer Ort. Während der Corona-Pandemie war es für viele Menschen das Eigenheim. Bei einem Hausbrand sollte dieses jedoch umgehend verlassen werden. Im Falle eines Hochwassers sollten sich Personen nicht in Kellern oder Tiefgaragen aufhalten.

Doch wohin, wenn ein Angriffskrieg droht?

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Zu Fuß konnten sich Markus Bertram und sein Bruder zu einer Bekannten flüchten, die in einer höheren Lage in Dernau lebt. Seine Schwester habe, wie so viele in Dernau, die Nacht auf dem Dachboden verbringen müssen. Eine Flucht ist für viele nicht mehr möglich gewesen, erzählt Markus Bertram.

Wie Wehrführer Christian Schrading sagt, ist eine Rettung der Bürger*innen in Dernau ab einem gewissen Zeitpunkt kaum durchführbar gewesen: „Sobald das Wasser nach Dernau reinläuft, sind die Straßen nicht mehr passierbar. Selbst ein Schlauchboot hätte in dieser Situation nicht geholfen. Es sind Leute mit Aluminiumbooten gekommen, selbst die haben es nicht geschafft, gegen die Strömung anzufahren.“

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Nicht nur ein Hochwasser kann dafür sorgen, dass Menschen Stunden oder gar Tage abgeschnitten sind und sich selbst versorgen müssen, sondern auch andere Naturgefahren wie zum Beispiel Hitze oder Schneefall.

Im Ratgeber für Notfallvorsorge und das richtige Handeln in Notsituationen rät das BBK deshalb zur Bevorratung von Lebensmitteln und Getränken, Hygieneartikeln und einer Hausapotheke.

Nach Angaben des BBK ermöglicht ein privater Vorrat eine kurzfristige und selbstständige Versorgung, bis die staatliche Hilfe eintrifft oder die Zeit der Verknappung überstanden ist, wie zum Beispiel bei einer Pandemie oder einem Stromausfall.

   

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Dernau versank in der Flutnacht nicht nur in den Wassermassen, sondern auch im Dunkeln. 

Gegen viertel vor elf ist der Strom in der Feuerwehrwache ausgefallen, sagt Christian Schrading und zeigt auf eine stehen gebliebene Uhr, die dort auch heute noch eine Wand ziert. Wie der Wehrführer sich erinnert, ist wenig später auch der Empfang weggebrochen. Er und seine Kamerad*innen hätten nur noch per Funk kommunizieren können. Chaos sei über Dernau hereingebrochen.


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Chaos, verursacht durch einen großflächigen Stromausfall, den sogenannten „Blackout“, ausgelöst durch Cyberangriffe, Naturkatastrophen oder technisches Versagen, ist auch für viele Prepper ein greifbares Horrorszenario: 
Unfälle durch ausgefallene Ampeln, eingesperrte Menschen in Fahrstühlen, nicht ein Tropfen Wasser aus der Leitung, denn Wasserpumpen werden mit Strom betrieben. Es folgen Gewalt, Plünderungen und Anarchie.

Die Bundesnetzagentur stuft einen Blackout hingegen als äußerst unwahrscheinlich ein. Auf der Internetseite heißt es, das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen.

„Ein Blackout ist ein unkontrolliertes und unvorhergesehenes Versagen von Netzelementen. Das führt dazu, dass größere Teile des europäischen Verbundnetzes oder das gesamte Netz ausfallen (sogenannter Schwarzfall).“ – Definition der Bundesnetzagentur

Die Folgen eines Blackouts wären jedoch von großer Tragweite, denn Kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel die Informations- und Telekommunikation, die Wasser- und Abwasserversorgung, Krankenversorgung, Gefahrenabwehr und Lebensmittelversorgung könnten zusammenbrechen.

Auf die Frage, wie notwendig eine Stromausfallvorsorge ist, antwortet das BBK schriftlich: „Auch wenn die Versorgungssicherheit sehr hoch ist und großflächige und langandauernde Stromausfälle sehr unwahrscheinlich sind, können sie und vor allem kleinere und regional begrenzte Stromausfälle nicht ausgeschlossen werden.“

So kann es zum Beispiel in Folge von Stürmen oder Schneefällen dazu kommen, dass Stromleitungen beschädigt werden und der Strom erst wieder nach Stunden oder gar Tagen aus der Steckdose fließt.

Das BBK rät im Ratgeber für Notfallvorsorge und das richtige Handeln in Notsituationen deshalb zur                     
Stromausfallvorsorge. Dazu zählt zum Beispiel die Bevorratung von Lebensmitteln, Getränken, Kerzen, Taschenlampen, Decken, einem Campingkocher, einem Notstromaggregat und einem Kurbelradio.


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Der Strom- und Netzausfall in Dernau sorgte auch bei Markus Bertram dafür, dass er in der Flutnacht keine Mitteilungen mehr von Behörden, Freunden oder Familienmitgliedern empfangen hat. „Als man gemerkt hat, das läuft komplett aus dem Ruder, da war kein Strom und keine Kommunikation mehr da.“

Er sei er immer wieder an höher gelegene Stellen gelaufen, um die Lage im Tal einschätzen zu können. Ruhe hat er in dieser Nacht keine mehr gefunden, sagt der Winzer.

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Ein braun rot schimmernder See? Grund für die gewaltigen Wassermassen war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der Dauer- und Starkregen, ein Extremwetterereignis. So hatte es am Tag der Flutkatastrophe an der Ahr so viel geregnet wie sonst durchschnittlich im ganzen Monat Juli nicht.

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Neben dem Dauer- und Starkregen trug auch die dichte Bebauung am Flussbett nach Angaben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat vielerorts an der Ahr dazu bei, dass das Wasser lokal überproportional anstieg. 

So auch in Dernau, wo unweit am Pegel Altenahr nach Angaben des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz ein Höchststand von 10 Metern gemessen wurde.




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„Am frühen Morgen sah man schon die ersten Leute, die angefangen haben, die Möbel rauszuschmeißen“, sagt Markus Bertram. Er selbst habe sich erst am Abend nach der Flut einen Weg zum Weinhaus bahnen können, denn auf der Bundesstraße sei den Tag über noch ein reißender Fluss durch den Ort gezogen.

Am Weinhaus habe er dann mit Erschrecken festgestellt, dass die durch ausgelaufenes Heizöl kontaminierte Brühe bis zu 80 Zentimeter im ersten Stock gestanden habe. Im Wohnhaus und in der Produktionsstätte hat die Flut ähnlich massive Schäden hinterlassen, erinnert sich der Winzer.   

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Unwettertief Bernd hinterließ in dieser Nacht nicht nur bei Markus Bertram eine Spur der Zerstörung, sondern verwandelte das liebliche Ahrtal in eine Trümmerlandschaft und riss 135 Menschen in den Tod.

Die Wassermassen verschluckten vielerorts an der Ahr nicht nur Leben und Häuser, sondern auch Bahnschienen, Abwasserrohre, Kläranlagen, Stromleitungen,  Trinkwasserkanäle und Straßen.

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Eine dieser Straßen war die Verbindungsstraße zwischen Dernau und Mayschoß. So mussten Diana Berzen und ihr Hund Amie nach ihrer erfolgreichen Flucht zunächst in Dernau verweilen.

Im Haus ihrer Eltern gab es jedoch auch alle Hände voll zu tun, denn das Wasser stand dort kniehoch bis ins Erdgeschoss, erzählt Diana Berzen. Erst knapp eine Woche später habe sie ihren Lebenspartner und dessen Kinder in Mayschoß wieder in die Arme schließen können.




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Für das Fachwerkhaus ihres Lebenspartners gab es nach der Ausräumung jedoch keine Rettung mehr, sagt Diana Berzen. Das Wasser habe bis zu 3,80 Meter im Haus gestanden. Eine Renovierung wäre für die Versicherung zu teuer geworden, es folgte der Abriss.

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An das ehemalige Haus erinnert heute nur noch ein Stück der alten Hauswand hinten vor dem Felsen. Auf dem Bauplatz davor herrscht noch völlige Leere. Diana Berzen und ihr Lebenspartner wollen jedoch schon bald mit dem Neubau beginnen.

Im neuen Haus wird es im Erdgeschoss jedoch keinen Wohnraum oder Technik wie die Heizung mehr geben, sagt Diana Berzen. Das durch die Überschwemmung ausgelaufene Heizöl habe vieles im alten Haus kontaminiert und dadurch immense Schäden verursacht.

Bauliche Vorsorgemaßnahmen für den Schutz von Gebäuden sollten nicht nur für den Fall drohender Überschwemmungen ergriffen werden, sondern auch zum Schutz vor Gefahren wie Stürmen, Feuer oder Schneefällen. Wie das BBK auf seiner Webseite dazu schreibt, würden oft schon kleinere Maßnahmen die Sicherheit von Gebäuden erheblich steigern.

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Trotz der geplanten Vorkehrungen am neuen Haus würde Diana Berzen bei einer erneuten Flutkatastrophe wieder flüchten. Dafür würde sie sich heute allerdings besser vorbereiten: 

„Ich würde mir einen Fluchtplan überlegen, dass man im Notfall weiß, wie man rauskommt. Und dass man ein kleines Carepaket hat, mit den wichtigsten Unterlagen und Kleidung für ein paar Tage.“

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Um sich künftig besser auf einen Ernstfall vorzubereiten, muss man aus vergangenen Krisen oder Katastrophen lernen, sagt Elke Geenen. Dabei sei es wichtig innerhalb der Gesellschaft über die Folgen von Krisen und Katastrophen zu sprechen, um die Risiken nicht wieder zu vergessen.

„Einerseits ist es natürlich gut, dass man einen Alltag leben kann, in dem das Risiko nicht ständig präsent ist. Andererseits beinhaltet das Vergessen, dass man keine katastrophen- oder risikobezogene Kultur entwickelt. Ein normales angstfreies Leben führen zu können, aber sich doch der Gefahr oder des Risikos bewusst zu sein. Das wäre wünschenswert.“









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Die Sonne hat sich mittlerweile durch den Nebel gekämpft und helles Licht fällt durch ein mit Weintrauben verziertes Bleiglasfenster in das leere Erdgeschoss des Weinhauses. Von der Decke hängt eine Stromleitung und es riecht nach abgeschlagenem Putz.

Markus Bertram erinnert sich, wie er und seine Familie nach der Flut das Weingut ausräumen und vom Schlamm befreien mussten. Dabei hätten viele freiwillige Helfer*innen und Winzerkolleg*innen mit angepackt. So hätten sie auch nur sechs Wochen nach der Katastrophe neben den Ausräumarbeiten die Weinernte sicher einfahren können. 

„Das war schon sehr ergreifend. Die Unmengen an Helfern, die mit angepackt haben oder Winzerkollegen, die einem Material zur Verfügung gestellt haben."

Ums Eck reiht sich eine mit Schlamm überzogene Holztruhe zwischen die Werkzeugbank und den Heizlüfter. Eines der wenigen Erbstücke, von denen sich Markus Bertram nicht trennen konnte. Erinnerungen wie der Meisterbrief seines Vaters – unwiederbringlich von den Wassermassen vertilgt. Noch befinden sich das Erdgeschoss, der Keller und der erste Stock im Rohbau.

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Im Wohnhaus und in der Produktionsstätte bietet sich mir ein ähnlicher Anblick, wobei sich im Keller der Produktion bereits wieder stählerne Weintanks aneinanderreihen und die urigen Weinfässer ersetzen. Einzig ein paar von Schlamm überzogene Weinflaschen zeigen hier noch, wie hoch das Wasser einst gestanden haben muss.

Markus Bertram rechnet mit weiteren drei Jahren, bis die Renovierung des Weinguts abgeschlossen ist. Das Hochwasserrisiko ist ihm heute jedoch bewusster denn je.
Er steht mit einem Berater für Hochwasserschutz in Kontakt und er hat nun eine Hochwasserversicherung abgeschlossen.

Für eine Überschwemmung bis zu einem Meter über der Straße fühlt er sich gut gewappnet. Pumpen, Sandsäcke und Notstromaggregat liegen bereit. Sollte es jedoch wieder zu einer solchen Katastrophe kommen, bleibt für ihn wieder nur die Flucht, dieses Mal jedoch mit Fluchtrucksack.



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Das multimediale Scrollytelling-Format Krisenfest entstand im Rahmen der Masterarbeit von Daniela Wahl im Masterstudiengang Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen unter der Betreuung von Dr. Anne Ulrich.

An dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an Dr. Anne Ulrich für die all Zeit wunderbare Betreuung.

Zudem richtet sich mein Dank an Denys Avramenko, Markus Bertram, Diana Berzen, Dr. phil. habil. Elke M. Geenen, Prof. Dr. Kira Rehfeld und Christian Schrading, die mir ihre Zeit geschenkt haben und ohne die dieses Format nicht umgesetzt hätte werden können.

Mein Dank gilt auch Henning Hahn vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für ein eindrückliches Hintergrundgespräch und die schriftliche Beantwortung all meiner Fragen.

Weiter geht mein Dank an Stephanie Ley, Ingrid Näkel-Surges und an den Ahrtal-Tourismus für die Bereitstellung von Bildmaterial. 

Zudem möchte ich mich beim Zentrum für Medienkompetenz der Eberhard Karls Universität Tübingen für die technische Beratung und Bereitstellung von Technik bedanken.

Zuletzt danke ich meiner Familie, meinen Kommilitoninnen und meinen Freunden für die großartige Unterstützung.

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Kapitel 1 Krisenfest

Seite 1
Video: Anfahrt (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 2 Foto: Dernau (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 3
Foto: Das Weinbüdchen (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 4 Foto: Markus Bertram (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 5 Foto: Dernau (Quelle: Daniela Wahl)

Kapitel 2 Rings eingebettet in den Weinbergen

Seite 6 Foto: Marienthal und Dernau
(Quelle: Ahrtal-Tourismus/Dominik Ketz)
Seite 7 Foto: Marienthal und Dernau
(Quelle: Ahrtal-Tourismus/Dominik Ketz);
Elke M. Geenen (Foto: Elke M. Geenen)
Seite 8 Foto: Marienthal und Dernau
(Quelle: Ahrtal-Tourismus/Dominik Ketz)

Vertrauen ist gut, Vorsorge ist besser

Seite 9 Foto: Pumpen (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 10 Foto: Pumpen (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 11 Foto: Zerstörtes Haus (Quelle: Stephanie Ley) 

Achtung! Unwettertief Bernd ist im Anmarsch

Seite 12 Foto: Das Weinbüdchen (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 13 Foto: Radio (Quelle: Pixabay) 
Seite 14 Foto: Sirene (Quelle: Pixabay); Atmo Sirenensignal Warnung (Quelle: Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen in Baden-Württemberg); Atmo Sirenensignal Entwarnung (Quelle: Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen in Baden-Württemberg) 
Seite 15 Foto: Sirene (Quelle: Pixabay)

Vorbereitung ist die halbe Miete 
 
Seite 16 Foto: Sandsäcke (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 17 Video: Markus Bertram 1 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 18 Foto Sandsäcke (Quelle: Daniela Wahl);
Foto Sandsack befüllen (Quelle: Daniela Wahl);
Video Sandsack befüllen (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 19 Foto Christian Schrading (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 20 Video Christian Schrading 1 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 21 Foto Sandsäcke (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 22 Foto Feuerwehrauto (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 23 Foto Denys Avramenko (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 24 Video Denys Avramenko 1 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 25 Foto Denys Avramenko (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 26 Foto Lager im Wald (Quelle: Pixabay) 

Zu Fuß über den Hinterhof 

Seite 27 Foto Hinterhof (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 28 Video Markus Bertram 2 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 29 Foto Hinterhof (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 30 Video Markus Bertram 3 (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 31 Foto Hinterhof (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 32 Foto Diana Berzen mit Hund Amie
(Quelle: Daniela Wahl)
Seite 33 Foto Wasserpegel in Mayschoß am 14.07.2021 (Quelle: Stephanie Ley)
Seite 34 Foto Mayschoß knapp zwei Jahre nach der Flut (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 35 
Foto Sandsäcke am Haus (Quelle: Diana Berzen)
Seite 36 Foto Denys Avramenko mit Fluchtrucksack
(Quelle: Daniela Wahl)
Seite 37 Foto Fluchtrucksack (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 38 Foto Zelt (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 39 Foto Wasserkocher (Quelle: Daniela Wahl);
Video Denys Avramenko 2 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 40 Foto Denys Avramenko mit Stadtrucksack
(Quelle: Daniela Wahl)
Seite 41 Foto Denys Avramenko mit Fluchtrucksack
(Quelle: Daniela Wahl)
Seite 42 Foto Wald (Quelle: Daniela Wahl);
Video Denys Avramenko 3 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 43 Foto Wald (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 44 Foto Bunker (Quelle: Pixabay) 

Denke dran, schaff Vorrat an

Seite 45 
Foto Dernau während der Flut
(Quelle: Markus Bertram)
Seite 46 
Video Ahr (Quelle: Diana Berzen)
Seite 47 Foto Dernau während der Flut
(Quelle: Markus Bertram)  
Seite 48 Foto Vorratskammer (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 59 Foto Getreidefeld (Quelle: Pixabay) 

Kuhnacht 

Seite 50 
Foto Uhr (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 51 Video Christian Schrading 2 (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 52 
Streichholz (Quelle: Pixabay)
Seite 53 Das Notstromaggregat (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 54 Das Kurbelradio (Quelle: Daniela Wahl);
Atmo (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 55 Streichholz (Quelle: Pixabay)
Seite 56 Video Markus Bertram 4 (Quelle: Daniela Wahl)

Ein braun rot schimmernder See

Seite 57 
Foto Dernau nach der Flut
(Quelle: Ingrid Näkel-Surges); Foto Kira Rehfeld
(Quelle: Valentin Marquardt) 
Seite 58 Foto Zerstörung Ahrtal (Quelle: Stephanie Ley); Foto Kira Rehfeld (Quelle: Valentin Marquardt)
Seite 59 Foto Zerstörung Ahrtal (Quelle: Stephanie Ley)
Seite 60 Foto Zerstörung Ahrtal (Quelle: Stephanie Ley)
Seite 61 Foto Dernau nach der Flut
(Quelle: Ingrid Näkel-Surges)
Seite 62 Video Markus Bertram 5
(Quelle: Daniela Wahl) 


Der Geruch von ausgelaufenem Heizöl hängt in der Luft

Seite 63 
Foto Unrat (Quelle: Diana Berzen)
Seite 64 
Video Wasserkante (Quelle: Daniela Wahl)
Seite 65 
Foto Zerstörung in Dernau (Quelle: Diana Berzen) 
Seite 66 
Foto Zerstörung in Mayschoß (Quelle: Stephanie Ley)
Seite 67 
Foto links (Quelle: Diana Berzen);
Foto rechts (Quelle: Diana Berzen)
Seite 68 
Foto Diana Berzen und ihr Lebenspartner
(Quelle: Daniela Wahl)  
Seite 69
 Foto Diana Berzen und ihr Lebenspartner
(Quelle: Daniela Wahl)
Seite 70 Foto Mayschoß nach der Flut (Quelle: Stephanie Ley) 

Was bleibt ist eine von Schlamm überzogene Holze

Seite 71 Foto Weinhaus innen (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 72 Foto rechts Weinhaus vor der Flucht (Quelle: Markus Bertram); Foto links Weinhaus heute (Quelle: Daniela Wahl) 
Seite 73 Foto: Weinflaschen (Quelle: Daniela Wahl) 
     

   

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Krise

Eine Krise ist nach der Definition des BBK eine eskalierende Gefahrenlage, die Schäden an Schutzgütern wie zum Beispiel am Menschen, der Umwelt oder Wirtschaft hinterlassen kann oder bereits hinterlassen hat und die mit alltäglichen Maßnahmen und Mitteln nicht mehr bewältigt werden kann.

Ursachen für Krisen können plötzliche Geschehnisse wie zum Beispiel eine Sturzflut, ein großflächiger Brand oder ein Terroranschlag sein. Zu einer Krise können jedoch auch schleichende Prozesse führen, wie zum Beispiel extreme Trockenheit oder eine Pandemie.


Katastrophe

Als Katastrophe bezeichnet das BBK hingegen ein Ereignis, bei dem das Leben oder die Gesundheit vieler Menschen, bedeutende Sachwerte oder natürliche Lebensgrundlagen in einem ungewöhnlichen Ausmaß gefährdet oder geschädigt werden. Beispiele dafür sind Flugzeugabstürze, Vulkanausbrüche oder schwere Stürme.  

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Das Preppen beschreibt eine Praxis, bei der sich Menschen gezielt auf das Eintreten verschiedener Krisen- und Katastrophenszenarien vorbereiten.

Die Bezeichnung „Prepper“ leitet sich vom englischen Verb „to prepare“ ab, was übersetzt „sich vorbereiten“ bedeutet. Dabei ist nicht jeder, der sich auf einen Ernstfall vorbereitet, ein Prepper. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Eigenbezeichnung.

Zu den Vorsorgemaßnahmen der Prepper zählt zum Beispiel das Horten von Notvorräten, der Ausbau von Schutzräumen wie privaten Bunkern oder das Erlernen von Fähigkeiten zum Überleben in der Wildnis oder zur Selbstverteidigung.

Gründe für das Preppen gibt es viele – Sicherheit, Handlungsmacht, der Wunsch nach Autarkie bis hin zur Infragestellung des staatlichen Gewaltmonopols. Die intensive Krisenvorsorge hat den Preppern allerdings einen Ruf als paranoide Spinner oder Weltuntergangsfanatiker eingebracht.


Das Preppen – zu viel des Guten?

Wie es schriftlich aus dem BBK zum Preppen heißt, ist die Vorsorge ungeachtet der jeweiligen individuellen Intensität nicht als extremistisch zu bewerten und wird seitens des Amtes begrüßt. Beim Preppen sei dies jedoch nicht immer der Fall, da sich einige Prepper nicht nur auf Katastrophenszenarien vorbereiten würden, sondern auch das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen.

„Wenn sich in dem Rahmen der Vorsorge ein Netzwerk etabliert, das in Teilen mit extremistischem Gedankengut operiert, in dem sich mögliche Radikalisierungstendenzen verbreiten können oder in dem sich Menschen bewaffnen, muss der Staat alarmiert sein und diesem entschieden entgegentreten. Für alles, was über die persönliche Vorsorge und Selbsthilfe hinausgeht, beispielsweise das Aufrechterhalten der öffentlichen Sicherheit und die Gefahrenabwehr, ist der Staat zuständig.“BBK


Das Preppen – eine isolatorische Angelegenheit?

Für Katastrophensoziologin Elke Geenen ist das Preppen im Gegensatz zu der Eigenvorsorge eine sehr isolatorische Angelegenheit: „Beim Preppen haben Menschen das Gefühl, jede*r steht für sich alleine auf der Welt.“

Forschungen zu vergangenen Krisen und Katastrophen haben hingegen gezeigt, dass sich Menschen im Ernstfall in erster Linie solidarisieren und ein prosoziales Verhalten zeigen, sagt Elke Geenen. „Ich finde, dass man gegen dieses Preppen die Solidarität der Menschen stellen kann.“

Dabei sind Seuchen, wie die Corona-Pandemie eine Ausnahme, denn die angeordnete Isolation führt auch zu einem isolierten Verhalten, sagt die Katastrophenforscherin. „Wobei auch die Corona-Krise harmlos war. Wenn man mal zurückgeht auf die Pest, da kann man die Entsolidarisierung im Extremen beobachten. Dagegen war die Corona-Krise mit diesem Toilettenpapierhamstern noch harmlos."


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Während sich die Bevölkerung früher allein im westlichen Teil von Deutschland in die einst 2.000 öffentlichen Schutzanalagen flüchten konnte, stehen dem Bund nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben derzeit keine einsatzbereiten öffentlichen Schutzräume zur Verfügung.

Da sich die Gefahrenlage nach dem Kalten Krieg in Deutschland verändert hat, wurden die Schutzräume im Zuge der Friedensdividende im Jahr 2007 abgewickelt. Die noch übrigen 579 öffentlichen Schutzanlagen befinden sich laut der Bundesanstalt in Privatbesitz oder im Besitz von Kommunen.

Nach Angaben der Bundesanstalt verfügt die Bundesrepublik unabhängig von der aktuellen Verfügbarkeit oder Nutzbarkeit der öffentlichen Schutzräume über eine flächendeckende Bausubstanz, die Schutz vor einem Angriff durch Kriegswaffen bieten kann. Dazu zählen U-Bahn-Stationen, Tiefgaragen oder Kellerräume in Massivbauweise. Zur Not können auch Treppenhäuser oder innenliegende Räume Schutz vor Waffeneinwirkung bieten.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat das Bundesministerium des Innern und für Heimat im März 2022 veranlasst, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit einer Bestandsaufnahme aller öffentlichen Schutzräume zu beauftragen. Die Inventur zeigte, dass eine Reaktivierung der noch öffentlich gewidmeten Schutzräume grundsätzlich möglich ist.

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Um einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken berechnen zu können, kann der  Vorratskalkulator auf dem  Ernährungsvorsorge-Portal  des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft genutzt werden.

Auf dem Portal teilt das Ministerium zudem  hilfreiche Tipps und Empfehlungen für die Lagerung und Haltbarkeit von Getränken oder Lebensmitteln. 

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Um die Versorgung der Bevölkerung in Krisen- und Katastrophenfällen von größerem Ausmaß zu gewährleisten, existieren auch staatliche Notreserven in den unterschiedlichsten Bereichen wie zum Beispiel in der Sanitätsmaterial- oder Nahrungsmittelversorgung. 

Die staatlichen Lebensmittelvorräte werden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung verwaltet. Nach Angaben der Anstalt existiert an über 150 geheimen Standorten eine staatliche Reserve an Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Kondensmilch und Hülsenfrüchten.

Im Ernstfall soll die staatliche Lebensmittelreserve dazu beitragen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Demnach ist der Vorrat nicht auf eine langfristige Versorgung aller in Deutschland lebender Bürger*innen ausgelegt und reicht je nach Bedarf nur wenige Tage oder mehrere Wochen.

Bei friedenszeitlichen Versorgungskrisen sind jedoch zunächst die Bundesländer zuständig. Erst wenn diese beim Bund Hilfe anfordern, werden die Vorräte bereitgestellt. Dazu ist es laut der Bundesanstalt bislang jedoch noch nie gekommen.

Um im Spannungs- und Verteidigungsfall Obdach, Wärme, Wasser und Verpflegung für unverletzt betroffene Menschen sicher zu stellen, wird derzeit eine Betreuungsreserve im Rahmen des  Pilotprojektes Labor Betreuung 5.000 vom Bund erprobt. „Dabei handelt es sich um eine weitgehend autark funktionierende mobile Unterkunfts- und Betreuungseinrichtung für bis zu 5.000 unverletzt betroffene Menschen, die in Notlagen kurzfristig aufgebaut werden kann. Vollständig aufgebaut ist ein MBM 5.000 vergleichbar mit einer mobilen Kleinstadt“, heißt es dazu schriftlich aus dem BBK.

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Wie Klimatologin Kira Rehfeld sagt, muss man in Zukunft verstärkt mit Extremwettereignissen wie zum Beispiel Hitze, Dürre oder Unwetter rechnen. Als Grund nennt sie die durch den Menschen zusätzlich verursachte Erwärmung der Atmosphäre.

Im Geo- und Umweltforschungszentrum an der Eberhard Karls Universität in Tübingen spreche ich mit Kira Rehfeld. Dort forscht die Klimatologin zu Klimavariabilität und nachhaltigen Pfaden.

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Das Klima schwankt auf der Erde schon seit jeher. Der Mensch greift allerdings zu stark in die natürlichen Systeme ein, sagt Kira Rehfeld. „Wir stören dieses Gleichgewicht, indem wir zu viel CO2 imitieren als die natürlichen Kreisläufe kompensieren können. Damit  gießen wir mit unseren Emissionen Öl in das Feuer und wärmen den Planeten auf und das ist letztlich der Grund, warum wir in einem Krisenmodus sind.“

Aus der Forschung gehe hervor, dass sich die Erde um bis zu vier Grad im Mittel bis zum Ende des Jahrhunderts erwärmen könne, wenn die Treibhausemissionen weiter steigen würden. Die Folgen wären gravierend. Schon bei einer Erwärmung bei bis zu 1,5 Grad im Mittel warnen Experten neben häufiger auftretenden Extremwetterereignissen vor langfristigen Umweltveränderungen, wie zum Beispiel vor einem sinkenden Grundwasserspiegel oder einer verschwindenden Artenvielfalt.

Um Länder, Kommunen und die Bevölkerung bei der Eigenvorsorge vor den unvermeidbaren Folgen des Klimawandels zu unterstützen, wurde im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel das Deutsche Klimavorsorgeportal entwickelt. Das Portal bündelt Informationen und Daten zu den Folgen des Klimawandels sowie zu Vorsorge- und Anpassungsmaßnahmen.


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Um klimabedingten Folgen wie Extremwetterereignissen vorzubeugen, muss man die Temperatur auf der Erde alsbald reduzieren und CO2 einsparen, sagt Kira Rehfeld. „Und da sind in erster Linie Regierungen, Gremien und Firmen gefragt und in zweiter Linie die Bevölkerung. Jede*r Einzelne ist aufgerufen, die eigene Lebenslage und die eigenen Lebensmöglichkeiten zu betrachten.“

Neben der Reduktion von CO2 muss man jedoch auch Anpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel die Entsiegelung von Flächen vornehmen, erklärt die Klimatologin. So sei eine klimabedingte Krise oder Katastrophe immer die Folge einer Wechselwirkung aus einer Gefahr wie zum Beispiel einem Extremwettereignis, der Exposition und der Verwundbarkeit. Auch hier könne jede*r Einzelne seinen Beitrag leisten und zum Beispiel statt eines Steingartens eine grüne Fläche anlegen, wo im Falle einer Überschwemmung das Wasser ablaufen könne.




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Für eine Flucht empfiehlt Denys Avramenko, sich ein kleines leichtes Zelt in den Fluchtrucksack zu packen, um unterwegs nicht zu viel tragen zu müssen.

Bei einer Flucht, auf der man unentdeckt bleiben will, würde er sein Zelt unter ein Tarn stellen, sagt er. Als Tarn wird ein Stoff bezeichnet, der den Wald imitiert. 

Um das Zelt vor Feuchtigkeit zu schützen, rät Denys Avramenko ein Tarp darüber oder darunter zu legen. Ein Tarp ist eine Schutzplane, die vor Regen und Sonne schützen kann.

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Es kann sein, dass man in Situationen gerät, in denen man unauffällig flüchten muss, sagt Denys Avramenko. Insbesondere in der Stadt würde man dann mit einem großen Fluchtrucksack besonders auffallen.

Für ein solches Szenario hat der Krisenvorsorger einen kleinen dunklen Fluchtrucksack, der mit den wichtigsten Gegenständen gepackt ist. Dazu zählen Verpflegung, Kleidung oder wichtige Dokumente.

In der Prepper-Szene zählt dies zum sogenannten „Grey-Man-Konzept.“ Dieses Konzept beschreibt eine Taktik, sich möglichst unauffällig zu verhalten oder unscheinbar zu kleiden, um sich aus gefährlichen Situationen retten zu können.

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Übersicht

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Kapitel 1 Krisenfest

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Dernau

Weinhaus bertram

Bertram nahaufnahme
Kapitel 2 Rings eingebettet in den Weinbergen

Ahrtal 2022

Ahrtal 2022

Ahrtal 2022
Kapitel 3 Vertrauen ist gut, Vorsorge ist besser

Pumpen

Pumpen
Kapitel 4 Achtung! Unwettertief Bernd ist im Anmarsch

Weinhaus bertram

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Die sirene

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Kapitel 5 Vorbereitung ist die halbe Miete

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Schrading mit sandsack
Kapitel 6 Zu Fuß über den Hinterhof

Hinterhof

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Hinterhof

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Kapitel 7 Denke dran, schaff Vorrat an

Dernau nach der flut

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Dernau nach der flut
Kapitel 8 Kuhnacht

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Kapitel 9 Ein braun rot schimmernder See

Dernau nach der flut

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Kapitel 10 Der Geruch von ausgelaufenem Heizöl hängt in der Luft

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Dernau nach der flut

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Kapitel 11 Was bleibt ist eine von Schlamm überzogene Holztruhe

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Haus 3

Verschmutzte flaschen
Kapitel 12 Danksagung & Quellen

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